2009
Freundschaft: Oder warum lacht Uwe Sommersguter aus der KTZ?
Die KTZ heißt “Neue Kärntner Tageszeitung”. Und weil sie so neu ist, sind dort jetzt alle Freunde. Der Chefredakteur, der Geschäftsführer, die SPÖ und private Kärntner Großinvestoren, die Müller oder Maier oder so heißen. Die aus dem Oberland in das Unterland gekommen sind, um die ehemalige SPÖ-Parteizeitung in ein neues Medienzeitalter zu führen. Der Chefredakteur hat jetzt ein Stückchen der Zeitung. Der Geschäftsführer eines. Und die Großinvestoren. Ein großes Stückchen hat die Medienholding der SPÖ behalten.
Die Großinvestoren hatten mal ein eigenes Magazin. Im Oberland und im Unterland. Im linken Land und im rechten Land. Im Nebenland und im Umland. Überall. Irgendwie waren das die Kärntner Murdochs. Aber diesem Magazin ging dann irgendwie der Inhalt aus. So wie, wenn in einer Cola-Dose nichts mehr drin wäre. Aussen schön angestrichen. Drin kein Zuckerwasser. Da kam dann ein größerer Murdoch aus dem Überdrüberland, das sich Steiermark nennt, und schnappte sich das Großinvestoren-Magazin. Manche sagen heute, das wäre das einzig Richtige gewesen, die Großinvestoren sagen das nicht.
KTZ 2010.
Wie Großinvestoren so sind, ist mit denen nicht gut Kirschen essen. Wenn´s um´s Geld geht. Die wissen, wo sie ihr Geld hineinstecken. Knallharte Kalkulierer eben. Und so werden sie auch bei der ehemaligen roten Parteizeitung sein. Zeitungsseiten müssen verkauft werden, koste es was es wolle. Und sie werden versuchen, ihre Freunde, den Chefredakteur zuerst, davon zu überzeugen, dass ja auch eine PR-Redaktion ganz in Ordnung sei. Zum Zeitungsseiten füllen. Der aber, ein journalistisch Vorbelasteter, wird die Freundschaft erstmals hinterfragen. Denn in seiner kleinen, aber feinen Redaktion werkt ein Teil des gesammelten Kärntner Wissens, gute Journalisten eben! Aber die knallharten Jungs aus dem Oberland werden “euch roten Linkslinken mal zeigen, wie man Seiten verkauft. So viele ganze Seiten habt´s ihr in den letzten drei SPÖ-Jahrhunderten zusammen nicht vertrieben”, werden die Großinvestoren sagen. Apropros vertrieben: Das werden sie auch mit den Lesern machen, die vier Freunde. Denn die Leser klappern schon mit ihrem Gebiss und sind in der Regel schon kurz vorm Jordan, werden also weder eine gestalterische, noch inhaltliche Änderung zu schätzen wissen. Diese Undankbaren. Das wird der Chefredakteur aber irgendwie spüren. Dass alte Leser keine Veränderung haben möchten. Und als guter Journalist wird er sich ein zweites Mal fragen, ob das seine Freunde sind. Aber sie müssen es doch sein, das war doch in der SPÖ immer so: Freundschaft!
Aber auch der Geschäftsführer wird die Großinvestoren, die - wie wir wissen - von weit her gekommen sind, etwas kritischer hinterfragen. Denn der merkt, dass zum Ultimo weniger da ist als zu schlechtesten SPÖ-Zeiten. Dann wird er bemerken, dass die Großinvestoren ”blendende” Verkäufer sind. Aber das halt, wie alle die mit viel Geld zu werkeln haben, über den Preis. Knallhart eben. Was der Markt nicht aufnimmt, wird preisreduziert. Alles muss raus, auch wenn nicht Sommerschlussverkauf ist. Die KTZ, der Lidl im Kärntner Medienmarkt… Dem Diskonter wird so aber das Flüssige abhanden kommen und er wird sich mit den Hofer´s im Medien-Kärnten matchen. Das wird ins Auge gehen. Und so wird man sich entschließen, von der Tageszeitung abzugehen und eine Wochenzeitung zu starten. Neue Idee. Juhee!
Aber wie kommt Sommersguter ins Impressum?
Aber auch der Wochenzeitung wird die Luft ausgehen, weil die Großinvestoren ihre anderen Produkte so massenhaft in den Markt pumpen, dass bei der KTZ die Geldflüsse immer weniger werden. Wie es sich gehört, haben die Großinvestoren nämlich noch viele andere Produkte am Markt, die mit der KTZ nichts zu tun haben. Da wäre ein Guck-und-Druck-Magazin und viele kleine bunte Blätter im Auftrag des Kunden, für die die Großinvestoren Anzeigen am Markt verkaufen. Die dann der KTZ abgehen. Corporate Publishing, sagen die Großinvestoren neudeutsch.
Das wird so weiter gehen bis nichts mehr geht und die Großinvestoren das Steuer in die Hand nehmen müssen und die KTZ in einem nationalen Kraftakt retten werden. Der Rettungsanker: Sie werden ihr gutes altes Regionalmedienprojekt ausgraben und es wieder beleben. Die KTZ als regionales Je-nach-Bedarf-Erscheinungs-Magazin. Jenes Projekt, mit dem die Großinvestoren in der damaligen Form eben die heutigen Großinvestoren geworden sind. Im Oberland… Da wird der KTZ-Chefredakteur aber zum dritten Mal nachdenklich, weil er sich fragt, ob das Freundschaft sei? “Die SPÖ ist auch nicht mehr das, was sie einmal war”, sagt er dann. Regionales Je-nach-Bedarf-Magazin spielen will er nicht, denn der Markt ist dicht. Der Chefredakteur und sein Geschäftsführer kündigen die Freundschaft mit den Großinvestoren auf und rufen vor ihrem Abgang noch schnell mal den Geschäftsführer einer viel größeren Wochenzeitung an. Die nennt sich gleich wie die (Kalender-)Woche, also WOCHE. Die zwei Freunde, der Chefredakteur und der Geschäftsführer, werden den vierten Freund, die SPÖ-Medienholding, überzeugen, dass das Mediengeschäft eh nicht mehr das ist, was es einmal war und dem WOCHE-Geschäftsführer ihre Anteile zu einem Freundschaftspreis verkaufen. Und bei aller Freundschaft, die Großinvestoren werden wieder zurück ins gelobte Oberland gehen und dort den Markt aufmischen. Denn im Unterland hat man die hohe Form des Medienkapitalismus einfach nicht verstanden. Deppen da unten.
Und so wird es kommen, dass auf einmal der Chefredakteur der WOCHE aus dem Impressum der KTZ lachen wird, die dann WOCHE heißen wird.


