2008
Kann man die “Kleine” noch auswringen?
Zwar besitzt die Diözese Graz Seckau die Styria. Und die Katholen beten bekanntermaßen nur zu einem Gott. Im Styria-Reich geht man aber fremd, betet zu einem ganz anderen Herrn. Er wird gleichgesetzt mit Unfehlbarkeit. Seine Unantastbarkeit steuert die Styria seit vielen Jahren. Mit großem Erfolg, sehr großem. Seine Strategie, Kärnten und die Steiermark mit Medien niederzuproduzieren, ist aufgegangen. Ökonomisch zumindest.
Ausgewringte “Kleine”.
Horst Pirker hat in den letzten Jahren Medien im In- und Ausland aufgekauft oder gegründet wie kein Zweiter. Seine Engagements von Slowenien bis Kroatien waren ein rechtzeitiger Schuss ins richtige Ziel. Aufgegangen ist die Strategie ökonomisch aber nur die gesamte Styria betreffend. Viele der Styria-Möchtegern-Medien in Südösterreich sind defizitär und produzieren Inhalte, in denen nichts drin ist. Außer heiße Luft. Um die künstlich am Leben zu erhalten, muss die “Kleine Zeitung” die Beatmungsmaschine spielen. Sie wird seit Jahren ausgewringt. Der Beweis kommt jeden Tag pünktlich zum Frühstück: Sie ist mit Fehlern gespickt und wird nur noch zufällig ohne gröbere Mißgeschicke produziert. Dennoch: Sie beschäftigt die besten Journalisten und ist nach wie vor Kärntens Top-Medienprodukt. Aber nicht, weil sie top ist, sondern, weil es (noch) nichts Besseres gibt. Business Excellence ist das nicht.
Köpferollen?
Jetzt ist Finanzkrise, 2009 wird auch Wirtschaftskrise sein. Wo am schnellsten gespart wird? Bei der Werbung! Die vielen kleinen Subventionsnehmer im Styria-Bauchladen werden also kräftige Unterstützung vom Subventionsgeber “Kleine Zeitung” brauchen. Nur… der Geber wird 2009 die Spendierhosen nicht mehr anziehen können. Die “Kleine” muss um die nationalen Buchungen fürchten, da die Wiener Großbetriebe bleiern auf die Kostenbremse steigen werden. Dem Vernehmen nach fordert Pirker von seinen Geschäftsführern rund 20 Prozent Einsparung für 2009. Auch bei der “Kleinen”. Was aber will man aus einem staubtrockenen Handtuch noch rauspressen? Fünf bis zehn Prozent, ja. Aber 20? Das kann aus den Sachkosten nicht mehr rausgequetscht werden. Zumal in der “Kleine”-Redaktion schon alle spötteln, dass als nächstes Papier doppelt und dreifach bedruckt werden müßte, weil die Erbsen schon brutal gezählt sind. Die Frage also: Werden Redakteure gekappt? Das Flagschiff der Styria ist mit über 800.000 Lesern die zweitgrößte Tageszeitung in Österreich, erscheint aber fast ausschließlich in Kärnten und in der Steiermark. Das muss Pirker mal einer nachmachen. Wenn die österreichweit erscheinen würden, hätte die “Krone” nicht mal die tagtäglich Nackerte auf Seite fünf retten können. Aber seine Strategie droht zu scheitern, wenn er nach wie vor die Gewinne der “Kleinen” in die Kostengräber jener seiner Medien umleitet, die auch für Bilanz-Desorientierte merklich unterhalb des Rendite-Äquators liegen. In Krisen gelten Naturgesetze: Nur machen, was Gewinn bringt. Sonst kriegt man die Krise. Derweil sieht Pirker noch Chancen in der Konjunkturflaute (siehe unten). Vielleicht die Chance, mit dem Auswringen aufzuhören.


