2009
“Die Presse” braucht selber Rettung
Tatü-Tata. Die Wiener Qualitätszeitung “Die Presse” wollte (und will) den Sonntag retten. “Rettet den Sonntag” posaunt Chefredakteur Michael Fleischhacker himself. Eitelkeit sagt man ihm nach. Naja, ist auch wichtig in Wien, finde ich. Oskar Bronner, der ja auch als “Standard”-CR geworben hat, aber nicht mal halb so eitel ist wie Fleischhacker, wird selbiger nicht gerecht. Eine billige teure Kopie.
Paus-Projekt “Die Presse am Sonntag”.
Sonntag ist Freizeit-Tag. Ja! Das stimmt. Für Alleinstehende ab 40, die keine Kinder haben. Denn mit Kindern oder Partnern schaffst es nicht, mehr zu lesen. Auch nicht am Sonntag (wer hat bei der “Presse” die Marktstudien zu verantworten?). Und die Zielgruppe, die Fleischhacker unbedingt und zwanghaft anvisiert, die hat schon “Der Standard” im Sack. Wie die CR-Werbung, empfinde ich auch den Inhalt der neuen “Presse am Sonntag” als Abpausen von Bestehendem:
- Layout: Aufmacherseite dem “Guardian” nachempfunden (wohl nicht ganz ungewollt, der “Guardian” ist respektabel und angesehen.
- Die drei Fragen (an Herrn Strasser) - aus der “Kleinen Zeitung” , der von der Profitabilität her großen Schwester der Pygmäen-”Presse”.
- Das Web-Ranking - aus eben dieser obigen Zeitung
- Dichtung und Wahrheit aus dem “Spiegel” (Münchhausen)
Nun ja, da hab ich die “Presse” weggelegt, mich gefreut, dass wieder was vom Tisch ist, etwas, das ich nicht lesen muss und den “Standard” vom Samstag hergenommen, der Sonntag noch immer dick genug war, dass ich ihn weiterlesen konnte (übrigens genial: Auf fast jeder Seite eine Ansage eines Kabarettisten über die Wirtschaftskrise - so dass man fast jede Seite aufblättert und auch andere Artikel anliest.).
In einer Krisensituation, in der sich österreichische Printtitel in guter Gesellschaft befinden, reicht “More of the Same” nicht. 1. Lektion NLP: Wenn du immer das Gleiche machst, kriegst du immer das Gleiche. Wenn du was anderes willst, mach was anders. Das Interview mit Fareed Zakaria hätte ich angefangen mit “wie viel hat ,Newsweek’ durch schrumpfende Anzeigenerlöse schon verloren?” Das ganze Interview bis auf die Frage Medien und Krise sehr umsonst. Was ich aber bewundernswert finde, ist, dass Fleischhacker in Zeiten wie diesen, in denen die Printtitel wegsterben wie die Eintagsfliegen, noch an eine Sonntagszeitung glaubt. Mut kann man nicht kaufen, grenzt aber im Fall des Scheiterns immer an Dummheit. Leider. Noch
Noch was: Letzten Sonntag wollt´ ich mir die “Presse am Sonntag” aus dem stummen Verkauf holen - vergriffen, vielleicht weil neu. Diesen Sonntag um 13 Uhr: Nur einer von vier stummen Verkäufern leer. Interesse lässt anscheinend nach. “Die Presse” braucht selbst Rettung. Aufmerksamtkeit - wer darum kämpft, ist eine arme Sau!


