2009
KT 1 vor Verkauf?
Es war einmal die Styria. Die erkannte man vor allem an einem Produkt: Der “Kleinen Zeitung”. Diese “Kleine” war Garant für News, die man glauben konnte, Chronikales, an dem man sich ergötzte und regionale Wirtschaft und Politik, die man kannte. Der Bekanntheitswert der Marke “Kleine Zeitung” liegt in Kärnten weit über 90 Prozent. Ein Produkt, das - wenn man´s hat - man nie wieder aus der Hand geben möchte.
Die Zeitung hat es geschafft, in der Steiermark seit über 100 Jahren und in Kärnten seit über 50 Jahren, zu einem Kärntner Identifikationsobjekt zu werden: Frühstück ohne, Café ohne, sogar Klo gehen ohne “Kleine” geht nicht.
Dann kam die Weltherrschafts-Partie daher. Ein Radio hier, zwei TV-Sender da, drei neue Zeitungen dort. Die “Krone” im Vergleich dazu hat folgendes gemacht: Null Diversifikation, null in die Produkttiefe entwickelt. Styria, das hieß in den letzten Jahren Expansion auf Teufel komm raus. Das führte vor allem zu einem: Zig neue Styria-Medien schafften die schwarze Null nicht und mussten (von der “Kleinen”) durchgefüttert werden. Freilich: Die Strategie hatte schon was, es gibt genügend international herzeigbare Projekte (”WOCHE”, “Kärntner Monat” etc.). Viele Projekte sind aber schwer paralysiert und chronisch Kohle-klamm.
TV-Sender zu verkaufen?
Das Klagenfurter Stadtfernsehen KT 1, das von ein paar recht aufgeweckten Leuten am Leben erhalten wird, sendet in den letzten Monaten unüblich viel aus der Konserve. Da muss man sich dann Beiträge aus dem Jahre Schnee ansehen. Für Nicht-Nostalgiker ist das nur zum Wegzappen. Dazu kommen hartnäckige Gerüchte, dass sich der Konzern von KT 1 trennen möchte und einen Käufer sucht. Nur: Wer kauft in diesen Zeiten ein Stadtfernsehen, das wirtschaftlich nicht funktioniert? In Zeiten des Internet, wo der nächste Web-TV-Beitrag einen am PC anspringt.
Dennoch: Die Styria hält sich wie wenig andere Medienunternehmen in Österreich und Europa sehr gut. Mediales Know how, das selten ist, kaufmännische Fahigkeiten, die sonst in Österreich wohl kein Medienkonzern hat. Das ist die Erfolgspaarung der Styria. Die aggressive Expansionspolitik hat zudem auch dazu geführt, dass sie (zumindest in Österreich) kein anderer übernehmen kann.


